[Aachen] Antirevolutionärer Bildungsstreik
+++ mehr als 3000 Menschen auf Bildungsstreikdemo in Aachen +++ revolutionäre Kritik unterbunden +++ „Buh“-Rufe beim Zeigen von Antifa-Fahnen +++ Alkoholkonsum vor/während der Demo +++ zwei Nazis durch Polizei der Demo verwiesen +++
Die Bildungsstreikbewegung wächst. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße, weil sie mit dem bestehenden Bildungssystem unzufrieden sind. Es gibt Großdemonstrationen, Kreuzungen werden blockiert, Unis werden besetzt. Wer sich allerdings Hoffnungen auf ein Revival der 68er-Revolte gemacht hat, wurde bitter enttäuscht. Zumindest in Aachen.
Nazis raus! Aber wie?
Die Demo in Aachen, die in ihrem Verlauf stetig anwuchs, begann am Theater. Dort versammelten sich gegen 13 Uhr fast 2.000 Menschen, darunter auch zwei bekannte Nazis. Anstatt diese selbst der Demo zu verweisen, zog die Versammlungsleitung die Polizei hinzu. Nachdem diese die Personalien der Nazis und auch einiger Umstehender kontrolliert hatte, verwies sie die Nazis des Platzes. Durch die Lautsprecheranlage tönte „Nazis raus!“, was von einem Großteil der Demonstrierenden mitgerufen wurde. Eine konkrete Handlung folgte daraus aber leider nicht. Trotzdem kam das Gefühl auf, es gebe eine Art „antifaschistischen Minimalkonsens“ unter den Demonstrierenden.
„Wir wollen Euch hier nicht!“
Wie minimal dieser „Konsens“ war, zeigt sich wenig später, Als die Demonstration sich in Bewegung setzte, entrollten einige Menschen ein Transparent mit der Aufschrift „Ohne Revolution keine freie Bildung! Revolution jetzt!“. Auf der Rückseite des Banners waren zwei „Antifaschistische Aktion“-Fahnen befestigt. Als diese zu sehen waren, buhte ein Großteil der Leute, die hinter dem Transparent liefen und kommentierte die Solidaritätserklärung der Antifaschist_innen mit Sprüchen wie „Wir wollen Euch hier nicht!“ oder „Verpisst Euch!“ Als die Antifa-Fahnen eigenständig eingepackt wurden, entspannte sich die Situation allerdings nicht. Es hieß, Revolution habe nichts mit dem Bildungsstreik zu tun und das Transparent solle eingepackt werden; mensch könne gerne mitlaufen, aber nicht mit „extremen“, bzw. „radikalen“ Forderungen.
Toleranz und Pluralität?
Von einer Bewegung, die das Bildungssystem gerechter gestalten möchte und sich für finanziell benachteiligte Menschen einsetzt, sollte eigentlich zu erwarten sein, dass „demokratische Werte“ wie Toleranz und Pluralität eine Selbstverständlichkeit sind. So allerdings nicht im konservativ geprägten Aachen. Anstatt weitreichende Systemkritik zu tolerieren, wurden revolutionäre Perspektiven auf der Demo nicht zugelassen und Menschen, denen die bisherige Kritik am Bildungssystem zu verkürzt erscheint, dazu gedrängt, ihre Transparente einzupacken. Beim Unterbinden der Kritik beteiligten sich übrigens nicht nur konservative Yuppie-Studierende, sondern auch Ordner_innen der Demo.
Remember the 17th of June 2009!
Bei der letzten Bildungsstreikdemo in Aachen am 17. Juni 2009, die vom selben Bündnis wie die jetzige Demo organisiert wurde, gab es keinerlei Probleme, mit besagten Transparent auf der Demo mitzulaufen. Dies könnte der Tatsache geschuldet sein, dass im Juni deutlich mehr Schüler_innen am Streik teilnahmen, die häufig nicht so konservativ und antirevolutionär wie ein Großteil der Studierendenschaft in Aachen eingestellt sind. Somit liegt das Problem weniger beim Bündnis, als bei den konservativen Demoteilnehmer_innen. Dennoch sollte sich das Bündnis öffentlich zu den Vorfällen positionieren und eine eindeutige Haltung herausstellen, was die Toleranz von Systemkritik betrifft.
It’s Partytime?
Sicherlich sollte eine Demonstration auch Spaß machen; das sollte nicht vergessen werden. Den hatten viele Teilnehmer_innen am 17. November auch durch die vielen Renneinlagen und kurzfristigen Kreuzungsbesetzungen. Wenn der Spaß allerdings soweit geht, dass ein Drittel der Demo schon vor Beginn Bier trinkt und der Konsum sogar während der Demo nicht beendet wird, ist dies doch sehr bedenklich. Denn im angetrunkenen Zustand gefährdet mensch auf einer Demo nicht nicht nur sich, sondern auch andere Menschen. Das sollte nächstes Mal bedacht werden.
Warum denn eigentlich Revolution?
Revolutionäre Kritik ist notwendig. Sie ist notwendig, weil Revolution notwendig ist. Sie ist es, weil das Bildungssystem dem kapitalistischen Profitinteresse unterworfen ist. G8 wurde eingeführt, damit die Arbeitskräfte schneller auf dem Markt sind, Kopfnoten wurden eingeführt, um „sozial ungeeignete“ Menschen aussortieren zu können, es gibt Noten, um Menschen verwertbar zu machen. Bachelor/Master an der Uni haben im Prinzip das gleiche Ziel, wie G8 an Schulen: Die Menschen sollen dem Arbeitsmarkt schneller zur Verfügung stehen. Das Bildungssystem ist nicht dazu da, die Individualität der Einzelnen zu fördern oder aus den Schüler_innen und Studierenden „Demokrat_innen“ zu machen. Es ist dazu da, die Maschine am laufen zu halten, Menschen zu Zahnrädern in der Maschine zu machen. Lasst uns dem etwas entgegensetzen! Seid Sand im Getriebe! Seid krumme Zahnräder! Denn wer will schon ein Stück vom Kuchen, wenn sie_er die ganze verdammte Bäckerei haben kann?!
Für weitreichende Veränderungen des Bildungssystems!
Für eine revolutionäre Bildungsstreikbewegung!
Stürzt die bestehenden Herrschaftsverhältnisse um!
Mit schwarz-roten Grüßen,
Kampagne „Revolution jetzt!“